Hirngespinst

Ein simpler Knopfdruck, und er hatte sie ausgelöscht, für immer und ewig aus seinem Telefon verbannt. Sein Herz krampfte. Alle Illusion, alle Zuversicht. Mit wenigen Worten hatte sie ihm alles genommen, hatte alles zerstört, was er mühsam versucht hatte aufzubauen. Elias starrte auf das leere Display. Zwei Worte in einem hellblauen Kasten blickten ihn stumm an. No messages. Nie wieder wollte er ihre Stimme hören, ihre verletzenden Nachrichten lesen. Er nahm einen Schluck vom Flaschenbier und steckte sich die Kopfhörer in die Ohren. Rage against the Machine brachten ihn zurück in die 90er.

Im See spiegelte sich der pralle Mond und verwandelte das Wasser in eine glitzernde Masse. Ein Strahlen inmitten der dunklen Nacht. So wie Annas Strahlen auf den morgendlichen Fotos.

„Guten Morgen, mein Schatz. Wie geht’s dir, babe?“ Ihre Stimme hatte sich in sein Hirn gefressen, in der hinterletzten Zelle festgesetzt. Elias ließ sich in den feuchten Sand sinken und drückte den Lautstärkeregler seines Handys in die Höhe, schrie und brüllte, bis die Enten aufschreckten und davonflogen. 

Er hasste sie. Er liebte sie.

Der See stand komplett still, während er von den Wellen fortgerissen, weit hinausgetragen und schließlich unsanft zurück an Land gespült wurde. Ausgespuckt.

Er hatte sie lieb gewonnen, ihre Verwirrtheit, ihre Ehrlichkeit, bis zu dem Moment, in dem sie das alles zerstörte mit der Wucht ihrer Worte. Sie hatte es geschafft, ihm innerhalb kürzester Zeit alles zu nehmen – so wie er ihr nun alles nehmen wollte. Seine liebevollen Nachrichten, seine Fotos, sein Innerstes, das er für sie nach außen gekehrt hatte. Dafür, dass sie nun darauf herumtrampelte. Mit einem Tastenklick entriss er ihr seine Liebe, löschte alle Gedanken aus, die er jemals an sie verschwendet hatte. Ein einziger Knopfdruck, und alles war vorbei. Ausgelöscht für immer.  

Sein Herz brannte wie die über dem See aufgehende Sonne. Er drehte die Musik abermals lauter und ließ sich von ihr davontragen. Annas Stimme in seinem Kopf wurde leiser, verebbte. Ein kühler Windhauch umspielte sein Herz.

***

Anna lag im Bett und starrte an die Decke. Kahl und einfarbig wie die Seite, auf der sie bis vor wenigen Stunden seine Nachrichten und Fotos hatte sehen, seine Stimme auf Dauerschleife hatte anhören können. 

Hast du gut geschlafen, babe? Hattest du einen schönen Nachmittag?  Schlaf gut, babe, ich kuschel mich gleich zu dir unter die Decke.

In ihrem Kopf war noch alles da, während der hellblaue Kasten im Handydisplay das Gegenteil behauptete. No Messages.

Zaghaft berührte der große Zeiger des Weckers die Drei, und sie war hellwach, wollte die Zeit zurückdrehen, alles ungeschehen machen. Auf Knopfdruck hatte sie alles zerstört. Das simple Tippen einer Buchstabenkombination hatte dafür gesorgt, dass sie ihn wohl für immer verloren hatte.

Jede Faser in ihr sehnte sich nach seiner Stimme, seinem Lachen, sogar seinen Anzüglichkeiten. Es gab kein Tabu. Über alles offen und ehrlich reden, das mochte sie an ihm. Bis sie die Grenze überschritt und sich von einem auf den nächsten Moment in einem unbekannten Land wiederfand, weit entfernt von ihm und sich selbst.

Anna nahm die Brille ab und wischte die Tränen vom kalten Glas. Ein kühler Windhauch blies die Gardinen auf. Sie zog die Decke bis unters Kinn, wollte lieber ersticken als erfrieren. Gefrierbrand des Herzens.

Ebenso eiskalt war auch Elias Reaktion auf ihre Nachrichten ausgefallen. Sie wollte mit ihm reden, es persönlich klären, doch ehe sie sich versah, war alles weg.  Ausgelöscht. So, als existiere er nicht mehr. Als habe es sie beide nie gegeben. Verloren für immer. Nichts zeugte mehr von all den schönen Momenten. Alles hatte er ihr genommen, alle Fotos, ob im Bett, in der Natur, mit Hund oder Katze. Den rauen Klang seiner Stimme am Morgen, die ins Mikro gehauchten Küsse. Das Kopfkino, das am Ende die verkehrte Richtung eingeschlagen hatte.

Ein leises Wimmern erfüllte ihr Schlafzimmer, prallte am Wecker ab und setzte sich in den Laken fest. 

Schlaf gut, babe, ich kuschel mich gleich zu dir unter die Decke. 

Sie schaltete das Licht aus und sofort wieder an, zog das Kissen über die Ohren. Ein kühler Windhauch wehte herein, streifte ihre Wange und trocknete die Tränen im Moment, als sich der erste Sonnenstrahl durch die Gardinen kämpfte.

Spontanbesuch (English version below)

Du öffnest die Tür und blickst dem Glück mitten ins Gesicht. Was tun? Das Glück hereinbitten, dass es sich in deiner Wohnung breitmacht, dein Sofa belagert, dir nachts die Bettdecke klaut? Oder lieber erstmal auf einen Spaziergang einladen? Nicht, dass es noch ansteckend ist. Infiziert vom Glück, wer will dieses Risiko schon eingehen?

Zwei Haushalte, das Glück und du. Wer von euch trägt sich in die Liste ein, die euch im Café um die Ecke gereicht wird? Dort, wo es dich auf ein Getränk einlädt, das dir nicht nur die Hände sondern auch das Herz wärmt.

Auf dem Heimweg pflückt das Glück einen Blumenstrauß und teilt dir mit, dass es bei dir einziehen möchte.

Doch wohin mit der Angst und den Zweifeln, belagern sie seit Jahren deine Wohnung, folgen dir auf Schritt und Tritt, wohin du auch gehst? Du kannst sie doch nicht einfach vor die Tür setzen, schreit deine innere Stimme entsetzt. Wo sollen sie denn hin? Bei der Nachbarin ist auch kein Platz, hat sie ihre eigenen Angst-Mitbewohner, und in den letzten Wochen sind es ohnehin immer mehr geworden. Schaffst du es sie ihrem eigenen Schicksal zu überlassen, einfach mal egoistisch zu denken?

Aber was ist dann mit dem Glück? Darf es bleiben? Du müsstest gut für es sorgen, es nähren, so wie die Angst bisher dich genährt hat. Es gab Momente, da fühltest du dich regelrecht überfressen, konntest dich kaum noch bewegen, vollkommen lethargisch und ausgelaugt. Ein Zustand, an den du dich erschreckenderweise gewöhnt hast.

Plötzlich fällt dir auf, dass die Angst dir noch nie Blumen geschenkt hat, nicht mal einen Kaktus, an dem du dich hättest stechen können. Und trotzdem bist du in einen tiefen Schlaf gefallen wie Dornröschen. Vielleicht ist das Glück gekommen, um dich endlich wachzuküssen. Du solltest es wagen. Lass das Glück einziehen und seinen Kumpel, die Zuversicht, gleich dazu! Und wer weiß, wenn es sich erst einmal bei dir wohlfühlt, wird auch bald die Liebe bei dir einziehen wollen.

A Spontaneous Visit

You open the door and stare right into the face of happiness. How will you react? Ask happiness to step inside so that it might sit on your sofa all day long, pull the covers off you during the night?

Or will you ask happiness to go for a walk? Be careful, it might be contagious. Getting infected by happiness, who in the world would want to take this risk?

Two households, happiness and you. So who of the two of you will write down the name into the list they ask you to submit at the coffee shop nearby? Right there where happiness invites you for a drink which doesn’t only warm up your hands but also your heart.

On your way home happiness is picking some flowers, telling you that it would love to move in with you.

But what to do with anxiety and doubts which have been staying at your apartment for such a long time already, following you wherever you go? You cannot ask them to leave this easily, your inner voice is yelling. Where are they supposed to go? There is no spot left at your neighbor’s apartment since she has her own anxiety-flatmates which have become even more during the last weeks since March.

Will you be able to abandon them, leave them to their own fate? Can you manage to put yourself first?

But what will happen to happiness then? Will you ask it to stay? You would have to care for it, to nourish it just as anxiety has nourished you for so many years. There were moments when you felt overindulged. You’ve barely been able to move, deprived of all of your energy, totally sluggish. A condition you, alarmingly, got used to.

Suddenly, you realize that anxiety has never brought you any flowers, not even a cactus at which you could have pricked yourself. Nevertheless, you have fallen into a deep sleep. Maybe, happiness has arrived to, finally, kiss you awake. You should dare to take the risk! Ask happiness to move in with you and also his best friend, serenity. And who knows? As soon as happiness will feel comfortable, love might ask you to move in with the two of you as well.

Abspann

Auf dem Monitor läuft der Abspann. Die Realität holt dich ein, greift nach dir, schleudert dich mit voller Wucht zurück. Auf dem Fensterbrett zittern die Kerzenflammen. Die Gardinen blähen sich auf, sinken zurück in Ausgangsposition. Gierig saugen die Blätter die prasselnden Regentropfen auf. Das helle Klacken der Hundemarken vermischt sich mit den Stimmen der Gassigänger. Schnarrend schließt sich das Rollo im Erdgeschoss. Katzengleich schleicht ein Radfahrer vorbei. Die Reifen hinterlassen ein leises Zischen auf dem glänzenden Asphalt vor den Fenstern. Der Vollmond schiebt sich durch die geschlossene Wolkendecke. Leise klingelt das Windspiel auf deinem Balkon. Im Nachbarhaus sind die Lampen hinter den Fenstern erloschen. Menschen gehen zu Bett, kuscheln sich aneinander oder träumen vom Subjekt der Begierde. Die Nachtigall stimmt ihren Gesang an. Der Regen lässt nach. Nur das Gluckern im Gully zeugt von seiner eben noch da gewesenen Existenz. In der Ferne rollt die S-Bahn ein. Piepsend wird vor den sich schließenden Türen gewarnt.

Tanz in den Mai

Hell erleuchtete Wohnungen in der Nachbarschaft. Pizza-, Burger- und Sushi-Lieferanten geben sich die Klinke in die Hand. Auf einem der Balkone singt ein Paar die Hits der 90er. Ihre Musik breitet sich leise über der Straße aus, trifft auf die gegenüberliegende Hauswand, lockt die Bewohner an die frische Luft. Einige applaudieren, andere johlen oder stimmen in den Gesang mit ein. Dennoch scheint niemand den Wonnemonat mit der gleichen Ausgelassenheit zu begrüßen wie noch im vergangenen Jahr. Die wahrscheinlich Einzigen, die heute tanzen, sind meine Finger. Discofox auf der Tastatur, kein Engtanz!

Die Natur vor meinen Fenstern lässt sich von der Gesamtsituation nicht beirren. Grün und saftig schießen die Blätter und Blüten aus den Knospen hervor, zeigen sich in ihrer ganzen Schönheit, während unsere innere Blüte zunehmend verkümmert, sind wir aufgefordert, gegen die eigene Natur zu handeln. „Wir reden stundenlang am Telefon über die Dinge, die uns im Kopf herumspuken, doch ist das Herz so voll“, sagte kürzlich eine Freundin. Will das Herz endlich Erlösung finden, müssen wir dafür tief in die Tasche greifen. Der Wunsch nach Nähe war wahrscheinlich zu keiner Zeit so massiv wie in dieser. Werden wir von einer Nachbarschaftsseite im Internet aufgefordert, näher aneinander zu rücken, zahlen wir eine beträchtliche Strafe, wollen wir dieser Aufforderung physisch nachkommen. Viele von uns fragen sich sicherlich schon, wie viel ihnen eine Umarmung mittlerweile wert ist. 150, 200 oder gar 2000 Euro? Was bedeutet das für Tinder-Dates? Bestehen jene momentan eigentlich ausschließlich aus Spaziergängen und Radtouren?

Haben wir uns gerade damit abgefunden, dass jede Form der körperlichen Nähe auf unbestimmte Zeit untersagt ist, vermissen wir seit Beginn der Woche plötzlich noch mehr: Das nette Lächeln der Frau an der Supermarktkasse, des Gassigängers aus der Nachbarschaft, der Blumenhändlerin auf dem Wochenmarkt. Hinter die Fassade blicken, die Maske fallen lassen – all dies erhält mit einem Mal eine völlig neue Bedeutung. Was macht das mit uns, können wir niemandem mehr aufmunternd zulächeln? Was macht das mit unseren Kindern, können sie Gefühle plötzlich nicht mehr von den Gesichtern ihrer Mitmenschen ablesen? Jedes Gespräch wird im Keim erstickt, die Atmung flacht ab. Wir werden müde und drömelig. Sieht so die Zukunft aus?

Was würde wohl passieren, würden eine*r von uns einfach einen Tisch auf die Straße stellen und dort zu Abend essen, fragte neulich eine Bekannte. Würden Andere – natürlich unter Einhaltung des Mindestabstands – mitziehen? Würden die Masken nach und nach fallen? Würde man sich aufrichtig erzählen, was einen zurzeit beschäftigt? Würde die Presse anrücken und darüber berichten? Würden die Bilder um die Welt gehen und Menschen in Italien, Spanien oder Finnland dazu anregen, etwas Ähnliches zu tun? Würde die Polizei kommen und den Ausdruck jenen friedlichen Widerstands auflösen? Niemand kennt die Antwort – solange es nicht in die Realität umgesetzt wird …

Ostersonntag

Ein hell erleuchtetes Haus, wo vor Wochen um diese Zeit noch absolute Dunkelheit herrschte. Nun ist jede*r für sich allein oder sitzt mit dem oder der Partner*in auf der Couch. Vereinzelte Stimmen vom Balkon durchdringen die abendliche Stille. Telefonate werden im Freien geführt, wo Wochen zuvor noch der helle Klang aneinanderstoßender Bierflaschen zu vernehmen war. Die Holzbänke im Biergarten nebendran sind leer. Vereinzelte Tauben haben sich dort mit ihren Ausscheidungen verewigt. Keine Menschenseele auf der Straße. Nur ein Elektroauto rollt geräuschlos vorbei. Nie zuvor erschienen Science Fiction-Filme so real wie in diesen Wochen, die wir gerade erleben. Wochen, in denen die Einen die Ruhe genießen, während Andere dagegen anschreien möchten. 

Ostern, die Zeit, in der viele das lange Wochenende für gewöhnlich mit ihren Liebsten verbringen. Waren es sonst Tage voll glücklicher Kinderstimmen und üppiger Familienessen, sind es für viele nun Momente der Einsamkeit und Einkehr. Alte Familienalben werden hervorgekramt, Kinderfotos in sozialen Medien präsentiert. Verbirgt sich dahinter etwa das Schwelgen in Erinnerungen, das Erinnern an die guten alten Zeiten, in denen jede*r weitestgehend das Leben führen konnte, das ihm oder ihr behagte? Bis Corona in die Welt trat und die Gesellschaft möglicherweise auf ewig verändert…

Passt auf Euch auf und lasst Eure Lieben trotz Kontaktverbot wissen, wie gern ihr sie habt! Wann, wenn nicht jetzt?

Frühlingsgefühle

Wer hätte gedacht, dass mein Text „Leben im Fluss“ nur ein Vierteljahr später dermaßen aktuell sein würde? Benjamin Franklins Zitat, „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren“, erscheint in der derzeitigen Situation aktueller denn je. Mehr und minder freiwillig leben wir nun zurückgezogen in den eigenen vier Wänden und müssen zwangsläufig mit uns allein zurechtkommen. Keine Ablenkung durch Window Shopping, Barbesuche oder Privatparties. Kein Kinobesuch, auf den man sich freuen kann, keine Ausstellung und keine Aufführung. Kunst und Kultur wurden – zumindest offline – komplett ausgeschaltet. Plötzlich sind wir gefragt, uns gänzlich mit uns selbst zu befassen, unsere Zeit sinnvoll zu nutzen, um keiner Depression zu verfallen. 

Ich möchte mich in diesem Beitrag nicht über Sinn oder Unsinn der Corona-Maßnahmen äußern, doch möchte ich teilen, was ich um mich herum beobachte. Wie unterschiedlich die Menschen mit der aktuellen Lage umgehen, wie sie es schaffen, die Situation für sich zu nutzen oder nervlich an ihr zu scheitern drohen.

Vor den Fenstern schauen wir in einen blauen Himmel, wie wir ihn schon seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Ein tiefes, reines Blau ohne jeden Flugverkehr. Die Vögel zwitschern, Knospen erblühen. Und dennoch haben viele von uns den Eindruck innerlich zu verwelken. Das Ohr glüht von stundenlangen Telefonaten mit Freunden. Die Waage zeigt allmorgendlich ein bisschen mehr an, futtern einige von uns sämtlichen Frust in sich hinein. Andere hingegen stürzen sich in sportliche Aktivitäten und kehren komplett durchtrainiert irgendwann wieder an den Arbeitsplatz zurück. Menschen erfreuen sich an einem handgeschriebenen Brief vom besten Freund oder der besten Freundin oder auch an der eigenen künstlerischen Schaffensperiode, für die nun endlich Zeit ist. Niemand muss mehr hetzen, sind wir alle zum Stillstand gezwungen. Der Spaziergang im Park wird zum Highlight des Tages. Nachbarn legen sich kurzerhand einen Hund zu, um neben Einkauf und Arztbesuch einen weiteren Grund zum vor-die-Tür-Treten zu haben. 

Wie ich im November 2019 bereits schrieb, kommt es nun auf uns und unsere Gedanken an, das Beste aus dieser Zeit zu machen. Leben wir allein im Hier und Jetzt und erkennen an, dass das Glück in uns wohnt, müssen wir es nicht im Außen suchen oder den Moment, wenn wir endlich wieder einem geregelten Alltag nachgehen können, herbeisehnen. Genießen wir die Stille, die Möglichkeit, endlich mal mit dem ein oder anderen Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Nun haben wir die Möglichkeit zu erkennen, wer es gut mit uns meint. Uns darüber bewusst zu werden, was wir wirklich wollen, mit wem wir unser Leben und unsere kostbare Zeit teilen möchten. 

Nutzt die Zeit und seid gut für Euch da! Jede und jeder von uns ist einmalig und sollte Menschen um sich haben (auch wenn dies physisch momentan nicht möglich ist), die einen genau dafür gern haben.

Passt auf Euch auf und bleibt körperlich und geistig gesund!

Sturmböen

Blätter fliegen umher, der Wind bläst einem alten Mann die Baskenmütze vom Kopf und legt seine wenigen Haare frei. Seit Tagen scheint erstmals wieder die Sonne, die Straßen füllen sich zunehmend mit Familien, Pärchen, Gassigängern und Joggern. Eine Sturmböe weht ein Hollandrad auf die Straße. Autoreifen quietschen. Der alte Volvo macht einen großen Bogen um das Zweirad, niemand hebt es auf. Wohin auch stellen? Es würde ja eh wieder weggeweht, denkt sich hier wahrscheinlich jeder.

Aus einem vorbeifahrenden Kleinwagen ertönt Udo Jürgens. „Und immer, immer wieder geht die Sonne auf“. Welch wahre Worte, denke ich, auch wenn wir sie nicht sehen können, scheint sie doch jeden Tag. Es gibt Phasen im Leben, da legt sich ebenfalls ein grauer Schleier über unsere Gedanken. Dann sollten wir nicht vergessen, dass die Sonne trotzdem scheint und wir sie irgendwann wieder sehen werden. Oder wie der Hanseat so schön sagt, es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Manchmal muss man sich äußerlich ein dickeres Fell zu legen, während man innerlich lernt, loslassen zu können. Sich von negativen Gedanken zu lösen. Positiv denken. Dann strahlt einem auch bald wieder die Sonne aus dem Allerwertesten.

„Ich darf nicht weinen, nicht ins Bett gehen, wann ich will und soll mit Dir Sendungen ansehen, die mich nicht interessieren“, beklagt sich eine Frau mittleren Alters bei ihrem Partner, bevor sie mit ihm im nächsten Hauseingang verschwindet. Nicht klagen, sondern handeln, lautet mein Motto für 2020, das dem Einen oder der Anderen vielleicht ebenfalls helfen könnte. Wie oft beschweren wir uns über Dinge, die wir ändern könnten, aber irgendeine Angst uns zurückhält. Was kann schon passieren? Dort, wo sich eine Tür schließt, öffnen sich fünf weitere, las ich neulich in einem Instagram-Post. 

Passanten ziehen die Mütze tiefer ins Gesicht, kneifen die Augen zusammen, um sich vor umherwehenden Blättern zu schützen. Jemand muss das Rad von der Fahrbahn entfernt haben. Es ist verschwunden. Vielleicht wie die Frau im Haus nebenan auch irgendwann. Oder aber sie sitzt weiterhin vor dem Fernseher und schaut Sendungen, die sie nicht interessieren.

Digital Change

Zu gerne würde ich über die Schönheit der Indonesier*innen, der Flora und Fauna Balis schreiben, sehe und bewundere ich sie doch jeden Tag. All die leuchtenden Farben und ungewöhnlichen Geräusche. Jedoch wird dieses Bild zunehmend getrübt. Es ist, als verschwimme diese Schönheit vor meinem inneren Auge aufgrund der Situationen und Bilder, die sich neuerdings unfreiwillig in mein Hirn einbrennen und mir dermaßen unter den Nägeln brennen, dass etwas in mir schreit, sie zu Papier bringen zu müssen.

Nachdem ich Bali und auch die Nachbarinsel Lembongan seit einigen Wochen zum wiederholten Mal bereise und mir viele Veränderungen im Vergleich zu den letzten zwei, insbesondere dreizehn Jahren auffallen, gibt es – neben den unzähligen baulichen Veränderungen  – ein gesellschaftliches Thema, das mich beschäftigt und nicht mehr loslässt. Mir ist bewusst, dass es sich hier um ein rein subjektives Bild handelt. Dennoch möchte ich es in diesem Text zum Ausdruck bringen.

Ob zum Arbeiten, Essen oder Entspannen, halte ich mich häufiger in diversen Cafés und Warungs (kleine einheimische Restaurants) auf, sehe mich um und versuche die Atmosphäre aufzusaugen. Ich gebe zu, dass ich dabei auch sehr gern Menschen beobachte, ihr Verhalten studiere. Wahrscheinlich eine Berufskrankheit. Oftmals setze ich mich an eine lange Tafel, um – wie in den vergangenen Jahren – mit Anderen ins Gespräch zu kommen und neue Eindrücke zu gewinnen. Unzählige Menschen habe ich auf diesem Weg bereits kennen und schätzen gelernt, stehe mit vielen von ihnen auch heute noch in regelmäßigem Kontakt. Vereinzelten von ihnen habe ich sogar eine eigene Geschichte (in meinem aktuellen Buchprojekt) gewidmet.

Neuerdings setzt sich allerdings niemand mehr an eine lange Tafel, wenn dort schon jemand sitzt. Einige Cafés haben die großen Tische mittlerweile komplett ausrangiert bzw. gegen kleinere ausgetauscht. Betritt ausnahmsweise doch einmal eine größere Gruppe das Restaurant und lässt sich an einer solchen Tafel nieder, könnte man dort eine Stecknadel fallen hören. Wenn nicht sofort beim Betreten, dann spätestens, wenn Platz genommen wurde, wird die Bedienung nach dem WLAN-Passwort gefragt. Bis zu acht Köpfe tauchen daraufhin gleichzeitig hinter dem Handy-Display ab. Aus face-to-face-Gesprächen werden Online-Chats. Aus persönlichen Sympathiebekundungen nur noch digitale Likes. Selbst, wenn die Bedienung das Essen auf den Tisch stellt, legt niemand das Handy aus der Hand. Vielmehr wird umgehend ein Foto vom vor sich befindlichen Gericht geschossen und jenes mit diversen Hashtags versehen hochgeladen. 

In diesen Momenten schießen dermaßen viele Fragen durch meinen Kopf, dass ich befürchte, er könnte bald zerspringen. Vor allem interessiert mich eines: Sind diese Menschen glücklich? Nehmen sie ihre Umwelt überhaupt noch wahr? Wissen sie, wie Bali außerhalb ihrer Handykamera aussieht? Haben sie sich jemals mit einem Local unterhalten? Wie finden sich diese Gruppen zusammen? Per Tinder? Suchen sie nun, da sie sich gegenübersitzen, weitere Menschen, die sich zu ihnen gesellen wollen, den Blick starr aufs Display gerichtet? Sieht sich heute überhaupt noch irgendjemand in die Augen, berührt die Hand des Gesprächspartners, schenkt dem Gegenüber ein Lächeln? Bin ich zu oldschool geworden?

Vor einigen Wochen hatte ich mir ein Co-Working-Space in Canggu angesehen. Hier gab es zumindest noch eine lange Tafel, an dem die Menschen zusammenkamen und sich teilweise miteinander austauschten, vorwiegend jedoch aus beruflichem Interesse. Networking. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir die Frage gestellt, ob ich wirklich die teure Mitgliedschaftsgebühr zahlen müsse. Im Café könnte ich doch ebensogut arbeiten und meine Mitmenschen kennen lernen. Weit gefehlt!

Regelrecht dankbar war ich somit gestern Nachmittag, als sich eine Gruppe dreier Frauen am Nachbartisch niederließ und kurz darauf ins Gespräch vertieft war, bis sich alle Drei mit einer herzlichen Umarmung wieder voneinander verabschiedeten. Als zwei der drei Frauen das Café bereits verlassen hatten, fragte die dritte sehr hektisch nach der Toilette. Ich hatte sie schon fast vergessen, als die große, blonde Frau etwa eine halbe Stunde später zurückkehrte, und ich mich bei ihrem Anblick fragte, ob ihr gesamtes Essen soeben in der Toilette gelandet war. Das wäre zumindest eine mögliche Erklärung für ihre sehr magere Erscheinung gewesen. 

Und wieder fluteten unzählige Fragen mein Hirn. Sind es Frauen wie sie, die Jugendlichen auf Instagram das Bild eines ‚makellosen‘ Körpers präsentieren? Sieht sie sich möglicherweise tagtäglich Bilder solcher Frauen an? Was passiert mit den jungen Mädchen, die solchen Bildern regelmäßig ausgesetzt werden? Gibt es eigentlich überhaupt noch menschliche Influencer, oder sind das mittlerweile allesamt nur noch Robots?

Am heutigen Vormittag besuchte ich schließlich die Pyramids of Chi in Ubud. Hier gibt es per se kein WLAN, eine gute Möglichkeit also zum Austausch mit Gleichgesinnten, dachte ich.  Beim Betreten des Cafés, in dem etwa dreißig Personen warteten, dass es los geht, blickte ich in mindestens fünfundzwanzig Handys. Vor Beginn der Session wurden alle Teilnehmer gebeten, ihre Handys auszuschalten sowie die Personal Belongings am Eingang  der Pyramide abzulegen. Kaum hatten sich die Matten um mich herum gefüllt, sah ich die Displays aufleuchten. Sämtliche Personen chatteten, fotografierten und filmten, und mitten im Gongbath ertönte der Klingelton eines Handys hinter mir. 

Und da waren sie wieder, all diese Fragen, in einem Moment, in dem das Hirn eigentlich ausgeschaltet sein sollte. Was ist bloß los in dieser Welt? Wie kann ein Mensch jemals in die Stille finden, wenn selbst in diesem Moment ein hell erleuchtetes, vibrierendes Etwas neben einem liegt? Gibt es auf der Welt außerhalb von Klöstern noch weitere Orte, an denen sich Menschen wirklich begegnen, sich wahrnehmen und einander zuhören?

Als ich Bali 2007 zum ersten Mal bereiste, führte ich ein längeres Gespräch mit einem Indonesier, das mir in diesen Tagen wieder sehr präsent ist. Beim Anblick der vielen Bücher, die sich in meiner Tasche befanden, fragte er mich, wie wir Westler bloß soviel Zeit zum Lesen aufbringen könnten. Das Leben auf Bali bestehe eigentlich nur aus Arbeit. Und wenn man doch mal eine Stunde frei habe, nutze man diese zum Flechten der Opfergabenschälchen. Warum heute nur noch eine Minderheit die Schälchen selber flechtet, dazu könnte ich eine komplett neue Geschichte schreiben, da sich auf dieser Insel vieles verändert hat. Eine der m.E. größten Veränderungen haben die Smartphones mit sich gebracht. Ich denke, selbst, wer Bali noch nie bereist hat, kann sich vorstellen, womit die Menschen hier neuerdings ihre Freizeit verbringen. Beim Betreten eines Geschäfts blicke ich meist zunächst auf das kalte Handygehäuse und erblicke erst dahinter die Verkäuferin… Eine daraus gezogene Konsequenz ist ein ins Leben gerufenes Projekt an balinesischen Schulen, an denen Schüler*innen neuerdings Küken anvertraut werden, um die sie sich kümmern mögen, um vom Smartphone abgebracht zu werden. Ein lebendiges Tamagotchi…

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Schließlich ist auch dieser Text online verfügbar. Natürlich profitiere auch ich vom Internet und pflege einige Kontakte, insbesondere nun aus der Ferne, vorwiegend online. Dennoch ziehe ich jedes persönliche Gespräch dem Austausch von Messages vor, lasse das Handy in diesen Momenten in der Tasche. Arbeite ich am Laptop, möchte ich volle Konzentration und lasse das WLAN ausgeschaltet. Die vielen wertvollen Minuten und Stunden unseres kostbaren Lebens sollten wir genießen statt sie hinter einem kleinen Display zu verplempern. Und überhaupt, verkümmert der Mensch nicht mit der Zeit ohne regelmäßige persönliche Kontakte, ohne ein Lächeln, eine Umarmung? 

Leben im Fluss

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren" (Benjamin Franklin)

Ein grauer Tag vor dem Fenster. Das Aufstehen fällt schwer. Die Buchstaben rattern vor den Augen, ein Sumpf aus Wörtern und Fragen verschlickt das Hirn. Graue Zellen werden reaktiviert, der Nebel lichtet sich. Der Körper funktioniert noch nicht, aber der Kopf rattert ohne Unterlass. Noch keinen Blick aufs Handy wagen, von der Umwelt abgeschieden bleiben, um Herz und Hirn arbeiten zu lassen, ohne einen spezifischen Sinn und Zweck, ohne den Aufruf von außen, etwas zu tun, etwas zu erledigen. Dem Unterbewusstsein Raum geben. Die Gedanken wie Wolken vorbeiziehen lassen, ohne Input von außen. Das Gehirn verarbeiten lassen, was war und was kommen mag.

Dabei weiß niemand, was kommen mag. Niemand hat eine Ahnung, kann absehen, was in den nächsten Stunden, Tagen, Wochen passieren mag, und doch wollen wir es wissen, wollen planen und uns darauf einstellen können. Dabei kommt es häufig ohnehin ganz anders als gedacht, als geplant. Das Leben nimmt seinen eigenen Lauf, und wir müssen erst wieder lernen, uns darauf einzulassen, uns dem Fluss des Lebens hinzugeben, ohne Angst, ohne Befürchtungen. Wollen wir doch immer und überall die Kontrolle über allem besitzen. Wollen wir bestimmen, wie das Leben weitergeht, was als Nächstes passieren soll, und sind dann über die Maßen enttäuscht, wenn ein Treffen in letzter Minute abgesagt wird, der Zug nicht kommt oder ein Gespräch in eine andere Richtung verläuft als wir es erwartet oder gar vorausgeplant hatten. Wir müssen anscheinend erst wieder lernen, akzeptieren und annehmen zu können, dass alles, egal wie es läuft, genauso gedacht ist. Wir sollten darauf vertrauen, dass es das Universum gut mit uns meint. Dass alles aus einem ganz bestimmten Grund passiert, auch wenn uns dieser momentan vielleicht noch nicht ersichtlich ist, oder es gar Jahre dauert, bis er sich uns überhaupt erschließt.

Im Hier und Jetzt leben, das Leben nehmen, wie es kommt, davon sind wir oftmals von uns noch meilenweit entfernt. Nicht enttäuscht sein, wenn etwas anders läuft als geplant, sondern sich freuen über die neuen Möglichkeiten, die sich uns dadurch eben auftun. Wie viele Menschen sind uns schon völlig unvorhergesehen begegnet, die wir nun unsere Freunde nennen? Auch jene Menschen, die uns vielleicht nerven, ärgern, so richtig auf die Palme bringen, erscheinen in unserem Leben nicht grundlos. Sie stoßen uns immer wieder auf unsere eigenen Schwächen. Defizite, wenn man so sagen mag. Das, was uns an Anderen stört, hat immer etwas mit uns selbst zu tun. Inwiefern spiegeln uns diese Menschen möglicherweise unsere tief verborgenen Wünsche und Ängste wider? Was haben sie, was wir vielleicht auch gern hätten und um das wir sie insgeheim beneiden, dass wir sie daher nicht ausstehen können?

Wie viel Neid und Ego steckt in unseren Gedanken verborgen? Emotionen, zu denen wir den Zugang verloren haben. Die irgendwo ganz tief in uns verborgen sind und an die wir nicht herankommen. Lassen wir sie zu, könnte unser Weltbild, alles, was wir uns bisher aufgebaut haben, plötzlich ins Wanken geraten. Fürchten wir uns möglicherweise davor, dass sich bestimmte Personen aus unserem Leben verabschieden könnten, wenn wir nicht mehr die Person sind, die wir bisher vorgaben zu sein. Mehr Schein als Sein. Doch sind gerade das Sein, das Authentische, das Sprechen aus den tiefsten Emotionen das wirklich Interessante, das, was einen Menschen ausmacht. Unsere Gefühlswelt nach außen kehren. Das, was den meisten von uns seit Kindheitstagen untersagt wurde, als es hieß, Sei stark! Da stehst du drüber! oder auch Männer weinen nicht! Sich nicht verletzlich zeigen aus der Angst, der Andere könne dies auszunutzen. Aber was sind das für Menschen, die ihren Vorteil aus den Schwächen Anderer ziehen wollen? Die nur darauf warten, dass der Andere eine verletzliche Stelle zeigt, auf der dann herumgeritten werden kann.

Wie viele Jahre kann ein Mensch mit diesen Glaubenssätzen leben, diese so tief in sich verankern, dass ein schönes, authentisches Leben kaum noch möglich erscheint? Wie lange braucht es, die jahrelang uns innerlich zerfressenden Gedanken umzukehren? Was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn wir ehrlich und authentisch agieren, ganz plötzlich das sagen, was wir denken und fühlen? Ja, es werden sich möglicherweise Menschen von uns abwenden. Aus welchem Grund? Vielleicht ja, weil sie nicht damit umgehen können, dass jemand plötzlich ausspricht, was er oder sie denkt? Weil es möglicherweise anstrengend ist, wenn sich jemand verletzlich zeigt, dem Gegenüber jedoch der Zugang zu den eigenen Emotionen verwehrt bleibt und sich diese Person daher unfähig fühlt, angemessen darauf zu reagieren? Wollen wir diese Menschen dann überhaupt noch in unserem Leben haben?

Wir müssen uns entscheiden, ob wir ein Leben führen wollen mit Menschen, die uns dafür lieben, wie wir sind, oder dafür, wer wir vorgeben zu sein. Wenn wir diese Entscheidung getroffen haben, erst dann können wir das Leben führen, das wir uns von Herzen wünschen. Egal, wie die Entscheidung ausfällt, müssen wir vorab den Weg zu unseren Emotionen freigraben, schauen, was da tief in uns verborgen liegt, den Hüter unserer Innenwelt besänftigen, uns den Zutritt zu unserem Innersten zu gewähren. Denn dann passieren die wirklich guten Dinge. Plötzlich begegnen wir den Menschen, die es wirklich gut mit uns meinen. Mit uns selbst, völlig unabhängig von unserem finanziellen Background, unseren Kontakten und unserem Äußeren. Doch dazu gehört Mut. Mut in einer Welt, in der immer wieder die Angst geschürt wird. Die Angst vor dem Fremden, die Angst vor der Arbeitslosigkeit, die Angst vor der gesellschaftlichen Ausgrenzung.

Unser Bedürfnis nach Sicherheit ist oftmals so groß, dass wir darüber hinaus alles Andere vergessen. Wir wollen einen Partner, der uns Geborgenheit schenkt, einen sicheren Job, ein Zuhause als sicheren Hafen. Was wir dabei vergessen, ist, dass wir genau das schon in uns tragen. Der sichere Kern ist in uns verborgen. Da ist die Liebe, das Zuhause. Wir müssen es nur wieder freilegen, den Wächter beiseite schieben und hinabtauchen. Annehmen und uns erfreuen an dem, was in uns ist. Alles Andere wird sich fügen, ohne dass wir dafür kämpfen müssen. Nehmen wir die Maske ab! Geben wir uns dem Fluss hin und tauchen immer mal wieder ab in unsere Innenwelt! Lernen wir uns besser kennen, damit auch Andere die Chance bekommen, unserem wahren Ich zu begegnen ….

Tipps für ein erfülltes Neues Jahr

Wie Du 2020 zu Deinem ganz persönlichen Glücksjahr machst

„Ich mache drei Kreuze, wenn dieses Jahr endlich vorbei ist“, sagte kürzlich eine Bekannte, und ich fragte mich, was passieren muss, um ein komplettes Jahr so sehr zu verfluchen. Mir ist bewusst, dass eine schwere Krankheit, der Verlust des Jobs oder eines geliebten Menschen jemanden in eine tiefe Krise stürzen können, doch geraten dadurch jene kleinen Momente, die das Leben eigentlich ausmachen, automatisch in Vergessenheit? Wie ist es überhaupt möglich, die Geschehnisse der vergangenen 12 Monate in nur einem Satz zusammenzufassen?

Nachdem mich das Hamsterrad im Herbst 2018 zum Stolpern brachte, hätte ich Ähnliches äußern können, doch sah ich es  zunehmend als Chance an, mein Leben fortan viel bewusster zu gestalten und dadurch mehr auf mich zu achten. Ich probierte unterschiedliche Methoden aus, die mich auf meinem Weg unterstützen sollten. Die nachfolgenden sechs wurden für mich zu den Essentiellen. Sie ermöglichten mir, mein Leben ganz bewusst in die Hand zu nehmen, es so zu gestalten, dass ich nun von einem erfüllten Jahr 2019 sprechen kann, in dem ich vieles ausprobierte, von dem ich zuvor nur träumen konnte. Was mir half, kann möglicherweise auch dir dazu dienen, das kommende Jahr zu deinem ganz persönlichen Glücksjahr zu machen. Ich wünsche Dir ein absolut wunderbares Jahr 2020 voller schöner Momente und inspirierender Menschen!

  • Lebe im Jetzt

Koste jeden Moment aus! Egal ob du dich gerade in der Schlange an der Supermarktkasse, im Stau oder in einem anregenden Gespräch mit einem lieben Menschen befindest, genieße den Moment! Erfreue dich entweder an den Minuten der Stille oder auch den herzlichen Worte, die du soeben geschenkt bekommst. Wenn du liest, konzentriere dich auf das Geschriebene und versuche, deine Gedanken nicht abschweifen zu lassen. Überlege dir genau, womit und vor allem, mit wem du deine wertvolle Zeit verbringen möchtest. Lass dich nicht vom Fernsehen berieseln. Erkunde deine Umgebung, triff Freunde, genieße stille Momente, in denen du zu dir finden kannst! Umgib dich mit Menschen, die dich inspirieren. Mach jeden Augenblick zu einem ganz speziellen in deinem Leben!

  • Führe ein (Bullet) Journal

In einem Leben, das mitunter einem Hamsterrad gleicht, mag es einem schwierig vorkommen, einige Minuten zum Reflektieren zu finden. Doch jeder hat irgendwann am Tag mindestens fünf oder zehn Minuten übrig, um sich darüber bewusst zu werden, ob man sich noch auf dem Weg befindet, den man gern beschreiten möchte. Nutze die besinnlichen Tage vor dem Jahreswechsel, um dir deine größten Wünsche aber auch Ängste zu notieren. Mach es dir mit einer Tasse Tee oder Kaffee gemütlich und werde dir  darüber bewusst, was dich bisher vielleicht noch von deinem großen Ziel abgehalten hat, welche Sorgen und Ängste dich bislang blockierten. Was möchtest du bis Ende Januar erreicht haben, wo siehst du dich im Sommer und was wäre für dich das Größte, das du am Ende des Jahres 2020 erreicht haben möchtest? Fertige eine Collage an und platziere sie dort, wo sie dir täglich ins Auge fällt. Jedes Mal, wenn du ein Bild, einen Artikel o. Ä. entdeckst, der dich inspiriert für deinen weiteren Weg, füge ihn hinzu. Speichere deine Lieblingsbilder bei Instagram und sieh sie dir regelmäßig an. Das sorgt einerseits für gute Laune und erinnert dich andererseits immer wieder daran, wie du dir dein Leben in deinen kühnsten Träumen vorstellst. Think big!

  • Führe ein Dankbarkeitstagebuch

Schreibe am Ende eines jeden Tages (für besonders Gestresste einmal pro Woche) mindestens drei Dinge auf, für die du besonders dankbar bist. Was hast du an diesem Tag erlebt, wem bist du begegnet, an welcher Herausforderung bist du gewachsen? Solltest du feststellen, dass sich bestimmte Dinge regelmäßig wiederholen, gehe weiter ins Detail. Überlege, wie sich diese eine Sache über die Zeit verändert hat, wie du dich oder deine Gedanken sich möglicherweise gewandelt haben. Nimm dieses Tagebuch regelmäßig, insbesondere am Ende des Jahres, zur Hand und stöbere darin. Erfreue dich an den vielen wunderbaren Dingen, die dir widerfahren und für die du so dankbar warst und bist.

  • Sorge gut für Dich und Deinen Körper

Sport ist immer gut. Insbesondere Yoga, aber auch kleinere Spaziergänge in der Natur können helfen, im stressigen Alltag dem Körper wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Yin Yoga und Yoga Nidra sind wunderbare Möglichkeiten, in sich hineinzuhören. Spezielle Atemübungen tragen dazu bei, das Gedankenkarussell für einen Moment zum Stillstand zu bringen. Es geht aber auch weniger aktiv, z.B. mithilfe von Massagen. Egal ob durch den Partner oder in einem Spa, tragen Berührungen nachweislich zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens bei und helfen dir so, gut für dich zu sorgen und gesund zu bleiben. Gönne dir regelmäßige Auszeiten ganz für dich.

  • Übe Focusing

Ähnlich wie beim Yoga oder der Meditation geht es beim Focusing um das Hören auf die Signale deines Körpers. Egal, ob du deiner Wut, Trauer oder Angst auf den Grund gehen möchtest oder dir deinen Wünschen und Zielen bewusst werden und Blockaden lösen willst, ist Focusing eine perfekte Methode, auf die innere Stimme zu hören. Was passiert in meinem Körper in einer bestimmten Situation oder Begegnung? Wie fühlt es sich an? Wo schmerzt es? Warum ist das so? Baue ein gutes Verhältnis zu deinem Körper auf, begrüße den so genannten Felt Sense und biete ihm ein offenes Ohr. Allein durch das Hineinhören wirst du eine Veränderung auf sämtlichen Ebenen deines Lebens wahrnehmen.

  • Sei kreativ!

Hier geht es nicht darum, ob du dich für besonders begabt hältst. Nimm Stift oder Pinsel und Farbe zur Hand und tobe dich aus! Werde zum (Hobby-) Schriftsteller, in dem du Passagen aus deinem eigenen Leben in Geschichten verpackst oder zum Künstler, der die verrücktesten Kreationen erschafft. Denk immer daran, Grenzen existieren nur in deinem Kopf. Lass es fließen! Ein befreundeter Heilpraktiker sagte kürzlich, dass in den vielen Gesprächen, die er mit Burnout-Patienten führte, sehr häufig die Unterdrückung der eigenen Kreativität genannt wurde. Also, tobe dich auf dem Papier aus! Erlebe den Flow-Moment, in dem du vollkommen in dieser einen Tätigkeit aufgehst und alles Andere um dich herum vergisst. 

Nutze das kommende Jahr, um gut für dich zu sorgen. Gönne dir die Zeit herauszufinden, wofür dein Herz schlägt und folge deinem ganz eigenen Weg. So machst du 2020 zu deinem ganz persönlichen Glücksjahr voller schöner Momente. Je besser du weißt, was du dir für dein Leben wünschst, desto mehr Menschen und Gelegenheiten wirst du anziehen, die dich bestärken und auf deinem individuellen Weg begleiten. 

Möchtest du mehr über Journaling, Focusing erfahren oder dich kreativ austoben? Dann ist das Retreat, das ich zurzeit für Frühjahr 2020 plane, sicherlich etwas für dich. Bei Interesse, schau regelmäßig auf dieser Seite oder in meinem Instagram-Account für Neuigkeiten vorbei oder sende mir eine Nachricht. Ich freue mich darauf, dich und deine ganz persönliche Geschichte kennen zu lernen.