Hace calor

Ich lausche den vorbeirauschenden Motorrädern

Blicke in den Sternenhimmel

“Hace calor”

Stöhnen die Nachbarn

Auf der Straße, 

Während ich mich an den

Nächtlichen Temperaturen erfreue

Der vertrocknete Palmwedel 

Vor meiner Terrasse 

Erinnert daran,

Was auch von mir gerade abfällt

Eine andere Kultur,

Neue Gesichter

Eine altbekannte Sprache,

Die wie aus dem Nichts

Plötzlich wieder in meinem 

Hirn aufploppt

Mit ihr 

Ein komplett anderes Lebensgefühl 

Nach so vielen Jahren

Endlich wieder hier

Alles neu

Und trotzdem vertraut

Sämtliche Probleme

Treten in den Hintergrund

Keine hitzigen Debatten

Stattdessen Grillenzirpen,

30 Grad, ein Feuerwerk und 

Ein breites Lächeln um Mitternacht

Schmetterlinge

In meinem Bauch

Hace calor en la vida loca 

Ankommen

Weit weg von zuhause 

Mitunter bedarf es nur eines Fluges,

Um ins wahre Leben

Zurückzufinden

Blurred

Die Wolken ziehen immer schneller

Gepeitscht von Wind und Regen

Der Himmel vernebelt blau

Auf Regen folgt Sonne 

Folgt Regen

Folgt Sonne

Das schmatzende Geräusch der Schuhsohlen auf nassem Asphalt

Sonnenstrahlen kitzeln meine Nase

Hagelkörner prasseln auf Autodächer ein

Eine Sturmböe reißt am Schirm

Die Hand am Griff verkrampft sich

Die Knöchel färben sich weiß

Abgestorbene Blätter segeln 

zu Boden

Ich springe durch Pfützen

Wirbele einige Blätter auf

Löse den zu engen Griff

Lasse los 

Und genieße die Tropfen auf meinen nackten Armen

Der Sturm legt sich

Die Wolken ziehen weiter

Kleine und große Blüten öffnen sich

Am Firmament

ein wunderschöner Regenbogen

Dunkelblauer Dunst

Dunkelblauer Dunst

Thore nutzte den verbliebenen Stummel, um die nächste Zigarette zu entzünden. Der Rauch vermischte sich mit dem Dunkelblau des Abendhimmels. Während der Mittagspause hatte ihnen Tine einen langen Vortrag über den Neumond im Widder gehalten. “Leute, heute ist der ultimative Zeitpunkt für einen Neuanfang! Wem von Euch darf ich nachher die Karten legen?” Augenzwinkernd hatte sie sich zu ihm über den Tisch in der Cafeteria gebeugt. “Thore, wie wär’s? Ein neuer Job, eine neue Liebe?” Wie sie ihn alle neugierig beäugt hatten.

Als Silke ihn schließlich in die Seite geknufft hatte, war er wortlos aufgestanden und eine Runde durch den Park gelaufen, bevor er ohne jeden Kommentar an seinen Computer zurückgekehrt war.

Die Glut glimmte auf, als er einen weiteren Zug nahm. Sollten die Kolleginnen doch nach Feierabend zusammensitzen und orakeln! Für ihn war das nix. Lieber saß er auf seinem Balkon und starrte ins Dunkel. Bisher hatte das Leben ihn immer in die richtige Richtung geschubst. Was sollte er sich da die Karten legen lassen? Am Ende kam doch sowieso alles anders. Glaubten seine Kolleginnen wirklich an diesen Quatsch? Dann säße Silke jetzt neben ihm und sie würden sich diese Zigarette teilen. Hatte ihnen der Wahrsager auf dem Jahrmarkt im letzten Jahr nicht die große Liebe prophezeit?

Kopfschüttelnd drückte Thore den Stummel in den überfüllten Aschenbecher. “Was ist, hast du etwa Angst vor der Zukunft?” Noch immer hatte er Antonias Quäkstimme im Ohr. Selbst an seinem Rechner hatte er keine Ruhe vor ihnen bekommen. “Vielleicht hat er Angst, dass die Karten ihm womöglich eine neue Beziehung prophezeien.” Wie Simon geschmunzelt hatte. So ein Arsch! Wieso sollte er Angst vor einer neuen Beziehung haben? Das mit Silke war halt einfach blöd gelaufen. Immerhin verstanden sie sich doch noch ganz gut. Natürlich hatte er zunächst überlegt, die Firma zu wechseln, aber so schlimm war das ja auch alles nicht. Seine Eltern waren schließlich auch getrennt und hatten das Unternehmen deswegen nicht gleich verkauft.

Warum sollte man sich denn vor einer neuen Beziehung fürchten? Und warum hatte Erik ihn eigentlich nicht unterstützt? Der war heute Abend ganz sicher ebenfalls nicht dabei. So wie Thore, hatte er sein Leben doch auch im Griff und benötigte dieses Hexenwerk bestimmt nicht.

Thore zündete eine nächste Zigarette an. Vielleicht sollte er sich morgen einfach krank melden. Oder vorgeben, er sei noch unterwegs gewesen und habe jemanden kennen gelernt und, na ja, die Nacht, sei halt sehr lang geworden. Vielleicht würden sie ihn dann endlich in Ruhe lassen. Und Silke möglicherweise noch einmal ihre Entscheidung revidieren.

Er ging zum Kühlschrank und nahm eine Bierflasche heraus. Zumindest ein bisschen verkatert sollte seine Stimme morgen immerhin klingen!

Zerreißprobe

Sibel betrachtete die durchtrennten Wurzeln und spürte eine dicke Träne ihre Wange hinablaufen.

„Mama, weinst du, weil der Baum jetzt tot ist?“

Probier’s mal mit Gemütlichkeit!, hatte Balus Stimme in ihrem Kopf gesungen, als ihre Tochter zum gefühlt hundertsten Mal die falsche Zahlenkombination am Fahrradschloss eingegeben und Netti dennoch jegliche Hilfe vehement abgelehnt hatte, bis sich das Schloss irgendwann endlich mit einem leisen „Klick“ geöffnet hatte.

Der Anblick der abgerissenen Wurzeln erinnerte Sibel an ihren Geduldsfaden in jenem Moment, als sich Netti aufs Rad geschwungen und das Reifengummi dabei mit dem Asphalt eine glatte, ebene Fläche gebildet hatte. Wie sie die Pumpe aus der Tasche gezogen und das Plastikgehäuse auf den winzigen Verschluss gesteckt hatte. Doch so schnell, wie die Luft eingeströmt war, war sie wenig später auch schon wieder hinausgeströmt.

Wie oft schon hatte sie gelesen, dass es so wichtig sei, das Beste aus jeder Situation zu machen. Und wie oft schon hatten ihr Freundinnen gesagt, das Universum habe seinen ganz eigenen Plan, sie solle doch einfach mal versuchen, geduldiger zu sein.

Resigniert hatte Sibel die Luftpumpe in den Fahrradkorb gelegt und das Rad zurück in den Ständer geschoben. 

„Wie wär’s mit einem kleinen Spaziergang? Um das Fahrrad kümmern wir uns später.“

Freudig hatte Netti ihre Hand ergriffen und war mit ihr in Richtung Kreuzung gehopst.

Aus der Ferne sahen sie bereits das hektische Zucken des Blaulichts. Je näher sie kamen, desto mehr gefror ihr das Blut in den Adern. Schweiß tropfte von Sibels Stirn, als sie auf den riesigen Baum starrte, der den Fahrradweg und sämtliche Autos in dessen Nähe unter sich begraben hatte.

„Mama, weinst du, weil der Baum jetzt tot ist?“ 

Das Mitgefühl, das aus Nettis Augen sprach, durchfuhr Sibel und hätte auf der Stelle einen ganzen Sturzbach auslösen können, doch sie riss sich zusammen – wie schon so oft in ihrem Leben. Stattdessen schlang sie die Arme um ihre Tochter, küsste sie auf die Stirn und flüsterte: „Ich glaube, mein Schatz, das ist der perfekte Moment, ein Eis essen zu gehen.“ 

Als die Feuerwehrmänner begannen, den Baum zu zerlegen, löste sich Sibel aus der Umarmung und wischte die Träne fort. Lächelnd ergriff Netti die noch immer zitternde Hand ihrer Mutter und hüpfte los in Richtung Eiswagen.

***

Am nächsten Tag erwachte Sibel früh. Ein Lächeln breitete sich über ihrem Gesicht aus, als sie das zarte Wesen neben sich erblickte. Ihnen beiden wurde ein weiterer Tag geschenkt, und sie wusste noch gar nicht, wie sie ihn am besten nutzen sollten. Doch wenn sie das gestrige Geschehnis eines gelehrt hatte, war es, dass sie sich ohnehin nicht auf irgendwelche Pläne versteifen sollte. Am Ende kam sowieso alles anders als geplant. Keine Erwartungen – keine Ent-Täuschungen.

Auf der anderen Seite wusste sie, dass sie keinen Tag ihres Lebens noch länger verplempern wollte. Ab sofort galt es, jeden Moment zu genießen, komplett im Hier und Jetzt zu leben, keine weiteren Gedanken an ihre Vergangenheit zu verschwenden oder sorgenvoll in die Zukunft zu blicken. Ganz so wie ihre Tochter es ihr jeden Tag vorlebte. Nun wollte auch sie das Leben feiern, jeden einzelnen Tag genießen, der ihr geschenkt wurde. Sie wollte ihr Herz öffnen, lachen, tanzen, knutschen, reisen. Und sie freute sich über jeden Menschen, der sie auf diesem Weg begleiten würde.

Alles, was für sie vorgesehen war, würde ohne jede Anstrengung zu ihr finden, sodass es sich gar nicht lohnte, irgendetwas oder -jemandem hinterherzujagen. Sie musste einfach nur vertrauen. Das Lächeln auf ihren Lippen wurde breiter.

„Guten Morgen, Mama. Hast du auch so viel geträumt?“

Schnee von gestern

Der letzte Neumond des Jahres. Zeit innezuhalten, zurückzublicken und Wünsche für die Zukunft zu äußern. Statt 2022 kommt mir seltsamerweise immer wieder das Jahr 2019 in den Sinn, in dem mir zu exakt dieser Zeit auf Bali die Idee zu diesem Blog kam. Drei Jahre, etliche Einträge und mehrere Umzüge später sitze ich nun im verregneten Berlin, sehe aus dem Fenster und will versuchen, das Jahr 2022 in Worte zu fassen. Und dabei kommen mir drei Begriffe in den Sinn: Schnee, Sonne und Nieselregen. Das Wetter der vergangenen vierzehn Tage als das perfekte Abbild meines Jahres.

Wie in einem Film erscheint vor meinem geistigen Auge eine Abfolge von Bildern: Wochenenden am Chiemsee, Stand-up-Comedyabende in Stuttgart, unzählige Treffen auf dem Tempelhofer Feld, Konzerte, Ausflüge an diverse Brandenburger Seen, Kurzurlaube an die Ostsee, der Erscheinungstag meines Romans und ein ausgiebiger Spaziergang durchs nächtliche Rixdorf. Ich sehe Freunde, die nicht länger eine aktive Rolle in meinem Leben spielen sowie die Gesichter jener Menschen, die mir das Universum schickte, um meinem Leben eine neue Wendung zu geben. Ich begreife, wie viel sich verändert hat und dass so manches, um das ich die letzten Jahre gebeten hatte, auf einmal da ist. Ich realisiere, wie vielen Menschen ich dankbar bin, dass sie mir in diesem Jahr zur Seite standen und wie jeder von ihnen seinen Teil dazu beitrug, mich an genau diesen Punkt zu bringen, an dem ich mich jetzt befinde. Gleichzeitig bin ich davon überwältigt, wenn nicht sogar demütig, als mir so richtig bewusst wird, wo ich plötzlich stehe – und wovon ich 2019 nicht einmal zu träumen wagte.

Doch es gab nicht nur diese Sonnenseite. Ein wichtiger Pfeiler meiner Entwicklung in diesem Jahr war sicherlich die große Verzweiflung, nachdem meine Vermieterin mir mitteilte, dass ich die Wohnung kurzerhand räumen sollte und ich in dieser kurzen Zeit keine neue Wohnung fand. Die vielen Tränen, die aufgrund der unzähligen Absagen flossen, aber auch jene vor Freude, die beim heiß ersehnten Anruf der Maklerin liefen, als sie sagte, der Mietvertrag sei schon auf dem Weg zu mir. Und nun rückblickend zu verstehen, dass es das Beste war, das mir passieren konnte. Denn wie heißt es so schön, wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere – und so ging mit diesem Umzug ein großer Wandel einher. Mittlerweile habe ich sogar gelernt, dass es für solche Begebenheiten einen Fachbegriff gibt: Crash (Seelen-)Verträge. Chefs oder Vermieter, die – ohne jede Vorwarnung – dafür sorgen, dass das Leben mal kurz in den Schleudergang geschaltet wird, damit wir lernen, endlich unserer inneren Bestimmung nachzugehen. 

Je länger ich über die vielen Geschehnisse dieses Jahres nachdenke, begreife ich, warum ich zu Beginn an das Jahr 2019 zurückdenken musste, und mir wird erstmals richtig deutlich, welche Situationen aus 2019 in diesem Jahr (endlich) zu einem Ende gekommen sind. Auch wenn dies bedeutete, dass mein Leben in den letzten zwei Monaten ein weiteres Mal komplett Kopf stehen musste. Doch rückblickend weiß ich, dass – wie bereits bei der Kündigung zu Beginn des Jahres – auch diese Phase ihre Berechtigung hatte, um mir meiner eigenen Stärke noch bewusster zu werden und zur Unterstützung die „passenden“ Menschen an die Seite gestellt zu bekommen, damit ich in wenigen Tagen mit großer Zuversicht ins Jahr 2023 starten und schon bald womöglich ein weiteres Mal die Umzugskisten packen und Berlin und seinen Bewohnern für unvergessliche, wenn auch sehr bewegte Jahre danken darf.

Ich wünsche Euch allen ein wundervolles Weihnachtsfest und einen fantastischen Start ins Jahr 2023!

This goes out to the ones I love(d)

Und als ich sagte, „Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute“, 

meinte ich es genau so,

ohne jeden Hintergedanken.

Und als ich lernte loszulassen, 

verstand ich, 

dass dies nicht bedeutet, 

dich plötzlich weniger lieb haben 

oder gar hassen zu müssen.

Denn ich begriff, 

dass du mir geschickt wurdest, 

um mich auf einer kürzeren 

oder auch längeren Wegstrecke zu begleiten, 

weil es in diesem Moment passte,

dass wir uns begegneten. 

Dass sich unsere Wege dann wieder trennen mussten, 

weil sich unsere Seelen wünschten,

allein weiter zu wachsen.

Und immer mal wieder erreichen mich Zeichen, 

die mich an dich

und unsere gemeinsame Zeit denken lassen. 

Jene Momente,

in denen ich mir wünsche, 

dass es dir gut geht und 

dir von Herzen alles Gute schicke.

Willkommen

Kaffeeduft erfüllt den Raum

An den Fenstern ziehen graue Wolken vorüber

Ein Hubschrauber dröhnt vom Himmel herab

Leuchtend gelb und zu grell für den frühen Morgen

Schwungvoll gieße ich einen Schluck 

vom Dunkelbraun in die Tasse

tropfe etwas Milchschaum darüber

Ein leises Bitzeln ertönt

Auf dem Weg zum Sofa

schnappe ich mir eine Kirsche 

vom Esstisch

Dunkelrote Sprenkel zieren mein weißes Shirt

Kurz verdrehe ich die Augen

bevor mich in die Kissen sinken lasse

In meinen Händen weiterhin das dampfende Getränk

Ich stelle den Becher auf den Nierentisch vor mir 

und blicke mich um

Ein Schrank voller Malutensilien 

gleich neben dem Klavier

Schräg dahinter der große Esstisch

für zauberhafte Abende mit lieben Menschen

Mehr braucht es nicht

Ich lasse mich tiefer in die Kissen sinken 

und genieße das Gefühl des

Angekommenseins

in meinen vier Wänden

und in mir

Die Wolken vor den Fenstern verziehen sich

allmählich

Die ersten Sonnenstrahlen 

tanzen über den Teppich

Auf meiner Schulter spüre ich

eine kleine Hand

und drehe mich um

Ein Kissen landet

mitten in meinem Gesicht

Ich ducke mich

Federn fliegen

Etwas Buntes segelt haarscharf

an der Tasse vorbei

Minuten später und außer Atem

nippe ich am Kaffee

Er ist eiskalt

Ich sammle die Kissen ein

Der Anflug eines Lächelns

zieht meine Mundwinkel 

in die Höhe

Fühlt sich so Heimat an?

Einkehr

Wenn winzig kleine Regentropfen 

Auf schmale Grünstreifen treffen

Und der Rasen die Feuchtigkeit aufsaugt

Wie der Mensch die Zuneigung seines Gegenübers 

Wenn sich die Luft erhitzt,

als würde sie still stehen

Unbewegt und dunstig

Wenn die Wolken die Sterne verdecken

Und nur der Mond sie sanft beleuchtet

Wenn außer des leisen Prasselns 

Stille einkehrt

Dann steht die Stadt für einen Augenblick still

Bis vereinzelte Passanten eiligen Schrittes

Im U-Bahn-Schacht verschwinden

Von der nächsten Bahn verschluckt, 

dem nächsten Rewe oder auch Club.

Die Stille für einen Moment verdrängt

Dann, wenn die aufsteigenden Gedanken

Im hastig hinuntergestürzten Drink ertränkt werden

Wenn bei Instagram schon bald 

das nächste Reel die durchtanzte Nacht bezeugt

Fernab des Regens und der Stille

Inmitten eines Feuerwerks der Sinne

Dann mag so manch einer danach denken:

Welch eine zauberhafte Nacht,

doch welche Erkenntnis hat sie mir gebracht?

Ein Kokon voller Sterne

Sanft haucht der Wind den Blättern Leben ein

Es rauscht und raschelt um mich herum, 

während die Vögel ihr Abendlied anstimmen

Ein Hauch von Cannabis 

weht zu mir herüber und

windet sich meine Nasenwände empor

Zu meinen Füßen knistern die Grashalme

Aus der Ferne ertönt ein Song,

wird vom Wind herübergetragen und

schlängelt sich in meinen Gehörgang

Ich denke an dich und

schließe die Augen,

spüre die Wärme im Gesicht –

so wie ich dich spüre,

selbst wenn du weit weg bist

Fern, und mir doch so nah

Wenn es ganz still wird,

höre ich deine Stimme,

sehe dein verschmitztes Lächeln,

das so viel Wärme ausstrahlt

wie es sonst nur die Sonne kann

Der Wind ebbt ab

Die Amsel im Baum über mir verstummt

Dunkelheit legt sich über die Stadt

In der Ferne stimmt eine Nachtigall 

ihren Gesang an

Am Firmament zeichnen sich die ersten Sterne ab

Ich hebe den Kopf und sehe dich,

wie du mit ihnen um die Wette funkelst

Fast schon gülden strahlst du

als einer der hellsten von ihnen

Lang ist’s her,

dass wir uns von Angesicht zu Angesicht gegenüber standen,

doch war Zeit für uns ohnehin nur ein Konstrukt,

lebten wir in einer Art Kokon,

wenn wir uns trafen.

Bis wir uns wiedersehen,

blicke ich in die Sterne und 

sehe dich,

wie du mit ihnen um die Wette

funkelst und strahlst

Über allen Himmeln du

Rosa und gelbe Blüten tränken den strahlend blauen Himmel. Laut jault ein Motorrad auf, als die Ampel auf Grün umschlägt. Flink huscht ein Eichhörnchen vor dem Kickstart über die blütenübersäte Straße. Farbenprächtig und sonnendurchtränkt.

Mit den Augen wandere ich die Allee auf und ab.

„Ihr Kaffee, schwarz wie die Nacht.“ Der Kellner grinst mich an, bevor er wieder von dannen zieht. Kinder strampeln juchzend an mir vorbei. Eines von ihnen streift mit dem Lenker den kleinen Bistrotisch. Heiß und dunkel ergießt sich der Tasseninhalt über die hölzerne Platte, bahnt sich seinen Weg zur Tischkante und tropft langsam und schmerzvoll auf meinen linken Oberschenkel. Ich beiße die Zähne zusammen, blicke in den blauen Himmel. Verschwommen zeichnet er sich ab, sehe ich doch nur dich.

„O je, was ist denn hier passiert? So freundlich wie noch vor wenigen Minuten schaut der Kellner nun nicht mehr aus. Hektisch entfernt er sich, vermutlich um die polierte Platte so schnell wie möglich vor hässlichen Flecken zu bewahren.

Über meinem Kopf zwitschert eine Amsel. Der Duft von Jasmin streift meine Nasenflügel. Ein Hupkonzert bricht aus, als das rote Auto an der Ampel nicht rechtzeitig losfährt. Vor mir stehen eine dampfende Tasse Kaffee und ein lächelnder Kellner. Die Tischplatte glänzt, als wäre das alles nicht passiert.